Start für „Politik erleben“ in 16 Kärntner Gemeinden

Die Arbeit in einer Gemeinde so richtig kennenlernen? Mit dem Bürgermeister „auf Tour“ sein? Kann man. Bei „Politik erleben“. Die Aktion des GVV startet jetzt in Kärnten. 16 Kommunen (aus jedem Bezirk mindestens eine) sind dabei.

KÄRNTEN. Wie funktioniert eine Gemeinde? Was hat der Bürgermeister den ganzen Tag zu tun? Wie läuft eine Gemeinderatssitzung ab? – Diese Fragen hat man sich vielleicht schon einmal gestellt. Antworten darauf liefert nun eine Aktion des Gemeindevertreterverbandes Kärnten (GVV), der Interessensvertretung der Gemeinden gegenüber dem Land. Sie nennt sich „Politik erleben“.

Was ist „Politik erleben“?

Interessierte Gemeindebürger können sich via www.politik-erleben.at bewerben und dann die teilnehmenden Mandatare – vorerst 16 in Kärnten – eine Woche bis zu einen Monat lang (je nach eigener Zeit) begleiten. So erlebt man live mit, wie Kommunalpolitik funktioniert.

Gemeindepolitik greifbar machen

Initiator der Aktion ist GVV-Vorsitzender Günther Vallant, der in der Gemeinde, in der er als Bürgermeister arbeitet (Frantschach-St. Gertraud), selbst begleitet werden kann.

„Wir wollen mit ,Politik erleben‘ der Politikverdrossenheit – vor allem unter den Jugendlichen – entgegenwirken. Es finden sich auch immer weniger Leute, die in ihrer Gemeinde aktiv mitgestalten wollen. So möchten wir Interesse an der Gemeindepolitik wecken und zeigen, dass Gemeinden kein starres System sind, sondern dass man mitwirken kann“

, erklärt GVV-Geschäftsführer Ervin Hukarevic die Hintergründe.

Teilnehmer, die in die Gemeinden hineinschnuppern, sind bei Sitzungen (z. B. Gemeinderatssitzung) dabei, lernen bei einem Gemeinde-Tag alle Abteilungen einer Kommune kennen, sind bei Dienstbesprechungen in der Gemeinde zugegen, ebenso bei öffentlichen Veranstaltungen oder Medienterminen. Diese Aktion hat es in Kärnten übrigens noch nicht gegeben.

Wer kann mitmachen?

  • Politikinteressierte über 16 Jahre, die keiner Partei oder Wählervereinigung angehören
  • Bewerbung unter: www.politik-erleben.at (mit Angabe des gewünschten Zeitraumes)

Wie läuft alles ab?

  • Zur Vorbereitung erhält man vom GVV Unterlagen bzw. Informationen. Mit dem teilnehmenden Gemeindemandatar bespricht man den möglichen Terminplan.
  • Begleitung des Mandatars bei Sitzungen und Terminen …
  • Feedback / Rückblick auf die Erlebnisse, Verbesserungsvorschläge

Wer macht mit?

Diese Gemeinden bzw. Mandatare sind bei „Politik erleben“ dabei:

  • Reichenau (Bezirk Feldkirchen):
    Bürgermeister Karl Lessiak
  • Hermagor (Bezirk Hermagor):
    Bgm. Siegfried Ronacher
  • Magdalensberg (Bezirk Klagenfurt Land):
    Bgm. Andreas Scherwitzl
  • Ferlach (Bezirk Klagenfurt Land):
    Bgm. Ingo Appé
  • St. Margareten im Rosental (Bezirk Klagenfurt Land):
    Bgm. Lukas Wolte
  • Keutschach am See (Bezirk Klagenfurt Land):
    Bgm. Karl Dovjak
  • Ebenthal (Bezirk Klagenfurt Land):
    Bgm. Franz Felsberger
  • Gmünd (Bezirk Spittal):
    Stadtrat Philipp Schober
  • Brückl (Bezirk St. Veit):
    Bgm. Burkhard Trummer
  • Liebenfels (Bezirk St. Veit):
    Bgm. Klaus Köchl
  • St. Jakob im Rosental (Bezirk Villach Land):
    Bgm. Heinrich Kattnig
  • Treffen (Bezirk Villach Land):
    Bgm. Klaus Ganznig
  • Stadt Villach:
    Bgm. Günther Albel
  • Feistritz ob Bleiburg (Bezirk Völkermarkt):
    Bgm. Hermann Srienz
  • Völkermarkt (Bezirk Völkermarkt):
    Vize-Bgm. Markus Lakounigg
  • Frantschach-St. Gertraud (Bezirk Wolfsberg):
    Bgm. Günther Vallant

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Stimmen zur Aktion

Initiator Bgm. Günther Vallant, Frantschach-St. Gertraud:
„Mit dem Projekt will ich Kommunalpolitik der Öffentlichkeit näher bringen und vor allem auch interessierten Leuten einen tieferen Einblick in die Arbeit in der Gemeinde gewähren. Weiters wollen wir Leute, die sich dafür interessieren, ausfindig machen und sie unter anderem auch dazu bringen, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden.“ Er lädt alle Interessierten herzlichst dazu ein, ihn als Bürgermeister zu begleiten, egal ob es sich um Sitzungen oder sonstige Termine handelt. Es hängt natürlich davon ab, wie viel Zeit jemand dafür investieren möchte.

Vize-Bgm. Markus Lakounigg, Völkermarkt:
„Ich würde mich freuen, wenn es uns gelingen würde, mit dieser Aktion junge Menschen für die Politik und vor allem für die Kommunalpolitik zu begeistern. Im Rahmen dieser Aktion werde ich mein Bestes geben, um Jugendliche für Politik zu interessieren.“

Bgm. Burkhard Trummer, Brückl:
„Ich glaube nicht, dass sich die Jugend nicht für Politik interessiert. Deshalb bin ich gerne dabei, junge Leute wieder mehr für Lokalpolitik zu begeistern. Auch bei uns in der Gemeinde gibt es einige politisch engagierte junge Leute, die auch Mitglieder in vielen Vereinen sind. Lokalpolitik hat ja nicht immer etwas mit Parteipolitik zu tun. Von der Aktion erwarte ich mir, dass wir junge Leute in unserer Gemeinde für mehr Bürgerbeteiligung und Politik sensibilisieren. Es gibt bereits Anzeichen, dass Potential da ist. Es geht nicht darum, dass die Jungen zwingend Politiker werden müssen. Sie sollen sich dafür interessieren und sich in die Entwicklung ihrer Gemeinde verstärkt einbringen.“

Bgm. Klaus Glanznig, Treffen:
„Wie das konkret umgesetzt wird, wird erst intern und in den Gremien besprochen.“ Grundsätzlich jedoch ist es für ihn eine „äußerst interessante Sache“. Glanznig: „Es ermöglicht Menschen, die sonst gar nichts mit Politik am Hut haben, einen Blick in die Materie zu werfen.“ Ein Blick von außen, von dem schließlich auch die Gemeinde profitiere, so Glanznig.

Bgm. Heinrich Kattnig, St. Jakob im Rosental:
Natürlich können auch mehrere Bewerber an der Aktion in der Gemeinde St. Jakob im Rosental mitmachen, sagt Bürgermeister Heinrich Kattnig. Er ist frohen Mutes: „Es ist eine spannende Sache. Zum einen ist es ein Anreiz für junge Menschen, sich für Politik zu interessieren. Zum anderen ist es natürlich positiv, dass Menschen von außen Einsicht in die administrativen Abläufe einer Gemeinde bekommen.“ Das gelte für den gesamten Prozess von der Ideenfindung bis hin zur Realisierung eines Projekts, so Kattnig. Wie es konkret umgesetzt werden wird? „Wir werden die Person dann mit zu Sitzungen und Gesprächen nehmen und alles mögliche zeigen.“

Bgm Karl Lessiak, Reichenau:
„Gemeindepolitik ist Arbeit für die Bürger und das abseits von Parteipolitik. Wenn sich Bürger
aktiv einbringen, ist das eine zusätzlich Chance, neue Kräfte für die Arbeit in der Kommune zu bekommen.“

Bgm. Franz Felsberger, Ebenthal:
„Eine tolle Aktion, Ebenthal ist groß. Hier wird es für die Teilnehmer sicher nicht langweilig.“ Schwierig wird es nur bei einigen Terminen. „Datenschutz kann zum Problem werden, weshalb man nicht überall Einblick gewähren kann.“

Bgm. Lukas Wolte, St. Margareten im Rosental:
„Ich bin gespannt, wie groß das Interesse der Jugend an Politik ist.“ Über Anmeldungen würde er sich sich freuen, lediglich der zeitliche Ablauf muss in einer kleineren Gemeinde noch geklärt werden, denn nach 17 Uhr passiert nicht mehr viel.

Bgm. Ingo Appé, Ferlach:
Seine Erwartungen: „Menschen, die sich bis dato noch nicht entschlossen haben, in die Politik einzusteigen, mit dieser Aktion dazu zu bewegen, sich zukünftig aktiv politisch zu engagieren.“

Bgm. Karl Dovjak, Keutschach am See:
„Es ist großartig, dass man jungen Menschen einen Einblick in die Tagesabläufe einer Kommune gibt.“ Das Arbeitsspektrum einer Gemeinde ist breit gefächert, alle Bereiche sind abgedeckt. Von der Aktion erhofft sich Dovjak, dass die Teilnehmer erleben, wie umfangreich das Aufgabengebiet in kleinen wie auch großen Gemeinden ist.

Quelle: https://www.meinbezirk.at/kaernten/c-politik/start-fuer-politik-erleben-in-16-kaerntner-gemeinden_a3735120 abgerufen am 12.11.2019 um 14:15 Uhr

Foto: Unsplash/Headway

Kommunalpolitische Lebensgefahr

2020 stehen Kommunalwahlen in Frankreich wie Bayern an und sie stehen unter keinem guten Vorzeichen. In Frankreich will die Hälfte der Bürgermeister aufhören. In Bayern sieht’s nicht besser aus, wobei in deutschen Rathäusern zudem die Angst um Leib und Leben grassiert.

Der Vorfall rüttelte die Grande Nation wach. Und er erschütterte die französischen Kommunen in ihrem Kern. Anfang August 2019 wurde Jean Michel, Bürgermeister des rund 2.800 Einwohner zählenden Provence-Dorfes Signes im Département Var getötet. Einfach so. Der Bürgermeister hatte einen jungen Mann dabei ertappt, wie dieser unerlaubt Schutt in den Naturpark kippte. Er stellte ihn zur Rede, versperrte ihm den Weg und als er gerade dabei war, die Polizei zu rufen, startete der junge Mann seinen Transporter und überrollte ihn. Eiskalt. Der Tod des Bürgermeisters führte zu hitzigen Diskussionen darüber, wie massiv die Aggression und die Gewaltbereitschaft gegenüber Kommunalpolitikern gewachsen und wie tief der Respekt gegenüber Amtspersonen gesunken ist. „Unsere Bürgermeister sind in Gefahr“, stellte der Bürgermeister von Troyes und Vorsitzender des Vereins der französischen Bürgermeister, Francois Baroin, fest und bald bestätigte eine Statistik des französischen Innenministeriums die Tristesse. 2018 waren 361 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Frankreich Opfer von Gewalt geworden. Nicht nur verbal – durch Drohungen etwa oder Erpressungen: Rund 40 Prozent hatten angegeben, auch physisch angegriffen worden zu sein.

83 Prozent

Dass den Bürgermeistern von allen französischen Politikern noch am meisten Respekt entgegengebracht wird – einer Meinungsumfrage zufolge hatten immerhin 83 Prozent angegeben, eine „gute Meinung“ von ihrem Bürgermeister zu haben – wirkt angesichts dessen wie ein leicht sarkastischer Scherz. Die bedrohliche und rundum miese kommunale Stimmung in Frankreich kann aber daran festgemacht werden, dass von den rund 36.000 Bürgermeistern die Hälfte bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr antreten will.
Ihnen reichts genauso, wie vielen Bürgermeistern in Bayern, wo kommendes Jahr ebenso Wahlen anstehen und damit gerechnet wird, dass sich bis zu zwei Drittel der noch amtierenden Gemeinde- und Stadtoberhäupter in den 2.056 bayerischen Kommunen verabschieden werden. In Bayern steht demnach der größte personelle Wechsel der Nachkriegszeit an. Die Freude über den eventuell neuen Wind in den Rathäusern ist verhalten, pfeifen die Personaldecken doch aus allen Löchern. Im Sommer standen noch rund 100 Gemeinden ohne Bürgermeisterkandidaten da und selbst wenn die Hoffnung lebt, dass sich das bald ändert, bleiben die Probleme, die so viele Amtsinhaber zur Flucht treiben, bestehen.

Jegliches Unheil.

„Man ist ständig das Angriffsobjekt“,

wurde beispielsweise die Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Cham, Karin Bucher, in der Süddeutschen Zeitung zitiert, wo sie auch festhielt: „Du bist automatisch verantwortlich für jegliches Unheil, das in der Stadt passiert.“ Obwohl sie das Bürgermeisteramt schätzt und „ganz, ganz toll“ findet, wird sie nicht mehr dafür zur Verfügung stehen. So wie ihr Kollege aus Oberndorf am Lech, Hubert Eberle, der gegenüber der SZ die von Kollegin Bucher beschriebene „Verantwortung für jegliches Unheil“ mit einem bizarren Beispiel aufzeigte. Ein Bürger des Dorfes hatte ihn am Telefon regelrecht terrorisiert – sowohl was die Quantität der Anrufe als auch die Qualität der Worte betrifft. Und das, weil der Mann sich über die Mücken auf seiner Terrasse ärgerte, die sich dort tummelten, wohl weil ein Biber im nahe gelegenen Dorfbach ein Loch ins Ufer gegraben hatte und Mücken in dem dadurch entstandenen Wasserbecken brüteten.

Mücken sind nicht das einzige, wofür Bürgermeister aus Sicht ihrer Gemeindebürger den Kopf hinhalten müssen. Sie sind vor Ort, sind greifbar und werden auch dann für weniger populäre politische Entscheidungen verantwortlich gemacht, selbst wenn diese auf ganz anderen Ebenen getroffen werden. So wird in Deutschland vor allem seit Beginn der Flüchtlingsdebatte im Jahr 2015 eine Verrohung festgestellt, welche Kommunalpolitiker vor allem dann mit voller Härte trifft, wenn sie gemäßigte, menschliche und soziale Töne im Zusammenhang mit dem Thema anschlagen. Und Haltung zeigen.

So wurde Henriette Reker, die Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, im Oktober 2015 bei einem politisch motivierten Attentat mit rechtsextremistischem Hintergrund schwer verletzt. Andreas Hollstein, Bürgermeister der westfälischen Stadt Altena, wurde im November 2017 von einem Mann mit einem 30 Zentimeter langen Messer in den Hals gestochen. Die liberale Haltung des Bürgermeisters in Flüchtlingsfragen hatte der Täter während des Angriffs lautstark kritisiert. Als dann im Juni 2019 der Hessische Landtagsabgeordnete Walter Lübcke von einem Rechtsextremisten durch einen Schuss in den Kopf getötet wurde, war das ganze Land fassungslos. Auch Lübcke hatte sich für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen eingesetzt und in den Jahren vor seiner Ermordung Drohungen aus rechtsextremistischen Kreisen bekommen. Hasskommentare, wie „Den Kerl sollte man gleich an die Wand stellen“ oder

„Auf der Stelle abknallen, diesen Bastard!“,

blieben jahrelang online stehen und veränderten nach seinem Tod den Umgang mit rechtsextremistisch motivierten Bedrohungen.

Lokale Demokratie in Gefahr. „Ich hatte in neun Jahren als Oberbürgermeister nie Drohungen bekommen. Seit 2015 werde ich beleidigt, bis hin zu Morddrohungen. Ich zeige das konsequent an. Der Ton ist ein völlig anderer geworden seit der Flüchtlingsdebatte – da kommt etwas zum Ausdruck, was zum Teil wirklich erschreckend ist“, wurde Burkhard Jung, Leipziger Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städtetages in einem Interview mit der SZ zitiert. Im Rahmen einer Umfrage unter 1.000 Bürgermeistern hatten kurz zuvor ein Fünftel der Befragten von Hassmails, ein weiteres Fünftel von Einschüchterungsversuchen und fast zwei Prozent davon berichtet, in den vergangenen vier Jahren auch körperlich angegriffen worden zu sein.

All das wirkt nicht wirklich einladend, wenn es darum geht, Bürgermeisterkandidaten zu finden.

„Wer um sein Leben fürchten muss, weil er sich in seinem Amt für die Allgemeinheit einsetzt, wird sich zweimal fragen, ob er diese Aufgabe noch weiter ausführen möchte“,

hielt Uwe Brandl, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, dazu fest und sagte: „Diese Spirale, die vielfach in den sozialen Netzwerken beginnt, müssen wir dringend durchbrechen. Wir müssen diesen Taten viel energischer als bisher entgegentreten. Beleidigungen und Bedrohungen sollten nicht hingenommen werden, sondern öffentlich gemacht, zur Anzeige gebracht und konsequent verfolgt werden.“ Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt aufgrund der immer zunehmenden Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe auf Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker vor einer Gefahr für die lokale Demokratie. Zu Recht.

Quelle: http://www.gemeindemagazin.at/magazin_detail.php?ID=1048 abgerufen am 04.11.2019 um 10:30 Uhr

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Ohne Gemeinden geht es nicht!

„Sichere Familie. Sichere Gemeinde. Sicheres Land.“ Dieser Slogan hat schon vor Jahren auf den Punkt gebracht, was heute immer noch Gültigkeit besitzt. Wir brauchen ein umfassendes Sicherheits-Netzwerk, um uns vor Notfällen und Katastrophen zu schützen. Und den Gemeinden kommt dabei eine zentrale Rolle zu, denn Zivilschutz ist Bevölkerungsschutz!

Der Schutz der Bevölkerung hat nicht nur bei uns in Kärnten einen sehr hohen Stellenwert. Unsere Blaulichtorganisationen stehen rund um die Uhr für Hilfeleistungen zur Verfügung. Tausende Freiwillige bei den Feuerwehren und Rettungsorganisationen und die Polizei sorgen täglich dafür, dass jedem von uns in einem Notfall sofort und bestmöglich geholfen wird.

Zusätzlich sind in den Krisenstäben die Behörden und öffentliche Institutionen damit beschäftigt, Alarmpläne für mögliche Gefahrenfälle und Katastrophen zu erarbeiten, laufend weiterzuentwickeln und regelmäßig gemeinsam im Rahmen von Übungen einem Qualitätstest zu unterziehen.
In Kärnten sind wir damit sehr gut vorbereitet auf die Bewältigung alltäglicher Notfälle und Katastrophen. Aber auch die beste Hilfe ist nicht immer sofort zur Stelle. Und bei großflächigen Ereignissen können die Einsatzkräfte auch nicht überall gleichzeitig sein.

Kommt es beispielsweise aufgrund extremer Wetterereignisse zu Überschwemmungen, Stromausfällen und anderen schweren Schäden, kann nicht allen Bürgerinnen und Bürgern gleichzeitig geholfen werden. Der Föhnsturm in Südkärnten, das Hochwasser im Gailtal und die schweren Unwetter im Lesachtal mit Murenabgängen und unpassierbar gewordenen Verkehrsverbindungen sind uns noch allen in Erinnerung und haben gezeigt, dass jeder von uns bereits im nächsten Moment selbst davon betroffen sein kann.

Dies alles kann dazu führen, dass man plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten wird. Die Versorgung mit elektrischer Energie, Lebensmitteln, Trinkwasser und sonstigem Bedarf des täglichen Lebens kann beeinträchtigt oder unterbrochen werden. Auswirkungen, die auch bei einem technischen Zwischenfall, z. B. einem Blackout auftreten könnten.

Behörden und Einsatzkräfte treffen – wie bereits erwähnt – dafür rechtzeitig Vorbereitungen. Letztlich sind Krisensituationen aber nur dann zu meistern, wenn jeder von uns auch einen Beitrag leistet und in der Lage ist, sich selbst und anderen zu helfen. Entscheidend ist, dass man nicht gleich auf fremde Hilfe angewiesen ist und die Behörden damit Gelegenheit haben, überlegt die notwendigen Hilfsmaßnahmen einzuleiten.

Informierte Bürger erhöhen die Sicherheit. Die Stärkung der Eigenverantwortung, Bewusstseinsbildung und Motivation der Bevölkerung sind ganz entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Krisenbewältigung. Um dieses Selbstschutzverhalten der Bevölkerung zu fördern, ist der Kärntner Zivilschutzverband seit mehr als 50 Jahren als Schulungsorganisation und Serviceeinrichtung tätig.
In Zusammenarbeit mit dem Land Kärnten, den Behörden und allen Einsatz- und Rettungsorganisationen werden jedes Jahr zahlreiche Sicherheitsveranstaltungen durchgeführt und Aktionen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gesetzt. Ganz gezielt werden dabei auch die Kärntner Gemeinden und Schulen mit eingebunden.
Gemeinden wichtigste Partner.Wir freuen uns besonders darüber, dass es gelungen ist, mit den Gemeinden ein sehr engmaschiges Netz für die Information und Schulung der Bevölkerung zu errichten. Der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern bietet den Gemeinden die besten Voraussetzungen, um die Anliegen des Bevölkerungsschutzes glaubhaft und nachvollziehbar zu vermitteln. Die Notwendigkeit, selbst etwas für die eigene Sicherheit zu tun, kann auf keiner anderen Ebene besser begründet und beworben werden.
Unsere enge Kooperation kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass die Gemeinden für die Öffentlichkeitsarbeit eigene Zivilschutz-Gemeindeleiterinnen und -leiter eingesetzt haben, die sich um diese Bevölkerungsinformation kümmern. Die benötigten Materialien werden vom Zivilschutzverband für jede einzelne Gemeinde adaptiert und zur Verfügung gestellt.

Aktuelle Gemeindeprojekte in Kärnten

Notfallblätter, Sicherheits-Ratgeber
Zu den beliebtesten Projekten zählen die regelmäßige Verteilung von Notfallblättern und die Herausgabe von Gemeinde-Sicherheitsratgebern an alle Haushalte. In beiden Fällen werden Selbstschutz- und Verhaltenstipps für Notfälle und Katastrophen mit gemeindeeigenen Informationen ergänzt und so zu wertvollen, lokalen Ratgebern für Sicherheit und Vorsorge.

Sicherheits-Homepage für jede Gemeinde
Im Rahmen eines engagierten Gemeindeprojektes, das der Zivilschutzverband im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres betreut, hat jede Kärntner Gemeinde als Sicherheits-Informationszentrum die Möglichkeit, rund um die Uhr der Bevölkerung online alle aktuellen Informationen zugänglich zu machen. Dazu gehören auch lokale Alarmpläne und Hinweise auf spezielle Gefährdungsbereiche in der Gemeinde.
Das Sicherheits-Informationszentrum ist als Bürger-Serviceeinrichtung angedacht, das in der Gemeinde als zentrale Anlaufstelle und Informationsdrehscheibe für alle Anliegen der Sicherheit agieren soll. Diese Grundkonzeption wurde in der Zwischenzeit in Kärnten bereits im amtlichen Krisenmanagement verankert – ein Meilenstein im Bereich der Zivilschutzarbeit.

Sicherheitstage, Kinder-Sicherheitsolympiade
Und letztlich werden bei Veranstaltungen in den Gemeinden, bei großangelegten Sicherheitstagen und –seit mehr als 20 Jahren – bei der Kinder-Sicherheitsolympiade die verschiedensten Möglichkeiten genützt, das Thema „Sicherheit und Eigenvorsorge“ attraktiv in Szene zu setzen und bereits die Jüngsten so früh wie möglich ins „Sicherheits-Netz“ einzubinden.

Die Gemeinden sind bei all diesen Aktionen für den Zivilschutzverband seit Jahren ein ganz wichtiger, verlässlicher und unverzichtbarer Partner. Wir sind sehr dankbar und froh darüber, sie als engagierte Mitstreiter mit im Boot zu haben.

Gastbeitrag

von Rudolf Schober
Landtagspräsident. a. D.
Präsident des
Kärntner Zivilschutzverbandes

 

Quelle: http://www.gemeindemagazin.at/magazin_detail.php?ID=1047 abgerufen am 30.10.2019 um 11:45 Uhr